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Arbeitszeugnis

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KARRIERE
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Arbeitszeugnis

Welche formalen und inhaltlichen Kriterien sind bei der Abfassung zu beachten?

heron Jan Mianvon Jan Mian, 19.01.2024

Zunächst geht es um die Unterscheidung zwischen einem einfachem und einem qualifizierenden Arbeitszeugnis. Wodurch sind sie gekennzeichnet und wann werden sie jeweils gebraucht?

Das einfache Arbeitszeugnis ist eine schriftliche Unterlage, die erstellt wird, wenn der/die Beschäftigte nur kurze Zeit im Unternehmen eingestellt war. Es beinhaltet lediglich persönliche Daten, Angaben zu Dauer, Position, bzw. Beschreibung des Aufgabengebietes im Unternehmen. Es beinhaltet keine Bewertungen.

Im Gegensatz dazu beinhaltet ein qualifizierendes Arbeitszeugnis, auf welches jede/jeder Arbeitnehmer*in ebenfalls ein Recht hat, die Angabe und Bewertung der persönlichen, fachlichen und sozialen Kompetenzen des/der Arbeitnehmer*in.

Wichtig: Jede/r Arbeitnehmer*in hat ein Anrecht auf ein einfaches bzw. qualifizierendes Arbeitszeugnis. Dieses Recht verfällt aber 3 Jahre nach dem Ausscheiden des/der Arbeitnehmer*in aus dem Betrieb/Unternehmen.
 

Was beinhaltet ein qualifizierendes Arbeitszeugnis (im weiteren „Arbeitszeugnis“ genannt) im Einzelnen?

Das Arbeitszeugnis ist eine schriftliche Unterlage des/der Arbeitgeber*in, das Auskunft über formale und inhaltliche Einzelheiten eines Arbeitsverhältnisses gibt. Inhaltliche Schwerpunkte sind:

  • Angaben zu der kompletten Dauer, der Position und der Art des Arbeitsverhältnisses
  • Detaillierte Informationen zum Verhalten ebenso wie eine Bewertung der erbrachten Leistungen
  • Bewertungen zu persönlichen, fachlichen und sozialen Kompetenzen der aus dem Betrieb/Unternehmen ausscheidenden Person

 

Was gehört nicht in ein Arbeitszeugnis?

  • Nicht charakteristische, einmalige und länger zurückliegende Vorfälle sowie private Informationen
  • Informationen zu Einkommen, Boni
  • Ehrenamtlichen Tätigkeiten des/der Arbeitnehmer*in
  • Betriebsratstätigkeit (sofern hierfür keine Freistellung für länger als 1 Jahr erfolgte)
  • Krankheitsbedingte Fehlzeiten, Schwangerschaft, Mutterschutz (sofern dadurch keine „erhebliche“ Unterbrechung der Beschäftigung vorlag)
  • Gewerkschaftszugehörigkeit, Parteimitgliedschaft
  • Kündigungsgründe, Abmahnungen
  • Straftaten, Drogenmissbrauch

 

Welche Kriterien sind für die Beurteilung von Leistung und Sozialverhalten relevant?

Bei der Bewertung helfen folgende Fragen:
Hat der/die Mitarbeiter*in die ihm/ihr übertragenen Aufgaben zur Zufriedenheit erfüllt, und wenn ja, in welchem Maß?
Die individuelle Leistungsbeurteilung der Arbeitsbereitschaft mit Zielstrebigkeit, Pflichtbewusstsein, Engagement, Einsatzbereitschaft, und Eigeninitiative gibt hierzu Aufschluss:

  • Arbeitsbefähigung: Urteilsvermögen, Stressresistenz, Denkvermögen, Auffassungsgabe, Belastbarkeit, Flexibilität
  • Arbeitsweise und Arbeitsstil: Eigenverantwortung, Gewissenhaftigkeit, Methodik, Selbstständigkeit, Zuverlässigkeit
  • Arbeitsergebnisse und Arbeitserfolg: Qualität, Quantität, Fertigkeiten, Intensität, Produktivität
  • Spezielle Fähigkeiten und Kenntnisse: Besondere Erfolge und Leistungen
  • Vorhandene Führungskompetenzen: Führungsstil, Mitarbeiterzufriedenheit, Motivationsfähigkeit
  • Bewertung der Gesamtleistung: Allgemeine Zufriedenheit mit den Leistungen der/die Arbeitnehmer*in

Wichtig: Beurteilungen sollen frei von subjektiven Bewertungen sein, und sollten immer mindestens eine ausreichende wohlwollende Beschreibung der Tätigkeitsbereiche einschließen.
 

Durch welche Noten und zugehörige standardisierte Formulierungen werden sehr gute bis mangelhafte Zeugnisse gekennzeichnet?

  • „Stets zu unserer vollsten Zufriedenheit“ = sehr gute Leistung
  • „Stets zur vollen Zufriedenheit“ = gute Leistung
  • „Stets zur Zufriedenheit“ = befriedigende Leistung
  • „Zur Zufriedenheit“ = ausreichende Leistung
  • „Stets bemüht zur Zufriedenheit“ = mangelhafte bis ungenügende Leistung

 

Wodurch ist ein wohlwollendes Arbeitszeugnis gekennzeichnet?

Das Zeugnis muss und sollte wohlwollend und wahrheitsgemäß formuliert sein. Weil der/die Arbeitnehmer*in nur eine Arbeitsleistung mittlerer Art und Güte schuldet, besteht grundsätzlich nur ein Anspruch auf die Note „Befriedigend“.
 

Formale Strukturierung des Aufbaus des Arbeitszeugnisses

  • Überschrift: Wählen Sie je nach Zeugnistyp die passende Überschrift: Z. B. Arbeitszeugnis, Zwischenzeugnis, Ausbildungszeugnis oder Praktikumszeugnis.
  • Einleitung: Die Einleitung beinhaltet die persönlichen Daten des/der Arbeitnehmer*in: Den Vor- und Nachnamen, das Geburtsdatum, den Beschäftigungszeitraum und die Position. Die Anschrift des Mitarbeiters gehört nicht in das Zeugnis
  • Kurzbeschreibung des Unternehmens: Fassen Sie die wesentlichen Daten Ihres Unternehmens zusammen: Was sind Ihre Kernaufgabenbereiche und -kompetenzen, Schwerpunkte und Tätigkeitsfelder? Nennen Sie zudem Ihren Unternehmenssitz und die Mitarbeiteranzahl.
  • Tätigkeitsbeschreibung: Nennen Sie alle Tätigkeiten, die der/die Arbeitnehmer*in während des gesamten Beschäftigungszeitraums ausgeübt hat
  • Beurteilung von Leistung und Sozialverhalten: Sollte der/die Arbeitnehmer*in über spezielle Fähigkeiten und Kenntnisse verfügen, werden diese hier genannt
  • Beendigungsgrund: Der Beendigungsgrund darf nur mit Einverständnis des Arbeitnehmers in das Zeugnis aufgenommen werden. Gängige Beendigungsformeln sind u.a. „auf eigenen Wunsch“, „betriebsbedingt“ oder „in beiderseitigem Einvernehmen“
  • Schlussformel und Zukunftswünsche: An dieser Stelle können Sie sich bei dem/der Mitarbeiter*in für die Zusammenarbeit bedanken und Zukunftswünsche aussprechen
  • Unterschrift, Datum und Firmenstempel: Mit Angabe des Ausstellungsortes und Ausstellungsdatums und mit der Unterschrift des Ausstellers ist das Zeugnis vollständig

 

Checkliste Arbeitszeugnis

✔ Überschrift (Arbeitszeugnis/Zwischenzeugnis)
✔ Einleitung
✔ Kurzbeschreibung des Unternehmens
✔ Tätigkeitsbeschreibung
✔ Beurteilung von Leistung und Sozialverhalten
✔ Beendigungsgrund
✔ Schlussformel und Zukunftswünsche
✔ Unterschrift, Datum und Firmenstempel
✔ Firmendaten
✔ Ist die Form des Zeugnisses korrekt?
✔ Sind die Angaben im Arbeitszeugnis wahrheitsgetreu und wohlwollend?
✔ Ist das Zeugnis frei von subjektiven Wertungen?
✔ Ist der Text sauber formatiert?
✔ Sind Rechtschreibung und Satzbau korrekt?
✔ Ist die Tätigkeitsbeschreibung umfangreich genug?
✔ Sind die Aufgaben der Bedeutung nach geordnet (das Wichtigste zuerst)?
✔ Wurde das Zeugnis auf Geschäftspapier ausgestellt? (Ein Geschäftspapier muss die Unternehmensdaten, die Rechtsform und die Anschrift des Unternehmens enthalten.)
✔ Stimmt das Ausstellungsdatum mit dem Datum des letzten Arbeitstages überein?
 
Fazit: Ein formal und inhaltlich vollständiges qualifizierendes Arbeitszeugnis ist für Sie als Unternehmer*in/Arbeitgeber*in, als auch für den/die scheidende Mitarbeiter*in eine wichtige Referenz auf dem Arbeitsmarkt.

 
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